„Europa muss den Kurs bestimmen“
Hannover Messe 2026: Europas Industriepolitik zwischen globalem Wettbewerb und strategischer Partnerschaft
Die Hannover Messe 2026 stand im Zeichen tiefgreifender geopolitischer Veränderungen und der Frage, wie Europa seine industrielle Stärke in einem zunehmend fragmentierten globalen Umfeld behaupten kann. Mit Brasilien als Partnerland und einem klaren Fokus auf wirtschaftliche Sicherheit, Handelsbeziehungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit bot die Messe eine zentrale Plattform für den Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und internationalen Partnern.
Dazu der niedersächsische SPD Europaabgeordnete und Vorsitzende des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments Bernd Lange:
„Die Hannover Messe 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass Europa in bewegten Zeiten nicht treiben darf, sondern selbst den Kurs bestimmen muss. In einer Welt wachsender Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten brauchen wir klare strategische Orientierung und verlässliche Partnerschaften.
Im Austausch mit internationalen Partnern, unter anderem beim Wirtschaftsforum gemeinsam mit Exekutiv-Vizepräsident Valdis Dombrovskis, wurde deutlich, dass wirtschaftliche Sicherheit und Offenheit keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Nur durch starke internationale Kooperationen können wir Resilienz und Wohlstand gleichzeitig sichern.
Die Diskussion zur industriellen Wettbewerbsfähigkeit mit Kommissionsvizepräsident Stéphane Séjourné hat gezeigt, dass Europa auf einem soliden Fundament steht, aber entschlossen nachsteuern muss. Wir brauchen gezielte Investitionen, schnellere Entscheidungsprozesse und einen klaren industriepolitischen Rahmen, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.
Ein zentrales Thema meiner Gespräche war die Zukunft des internationalen Handels. In der Veranstaltung zu H andel im globalen Kontext wurde deutlich, dass Europa seine Handelsbeziehungen diversifizieren muss. Einseitige Abhängigkeiten sind ein Risiko, das wir uns nicht mehr leisten können. Deshalb ist es entscheidend, neue Partnerschaften zu stärken und bestehende strategisch weiterzuentwickeln.
Vor diesem Hintergrund kommt dem EU-Mercosur-Abkommen eine besondere Bedeutung zu. Die Diskussionen auf der Messe haben gezeigt, welches Potenzial in dieser Partnerschaft steckt – wirtschaftlich wie geopolitisch. Es geht nicht nur um neue Märkte, sondern um stabile Allianzen, verlässliche Lieferketten und gemeinsame Standards.
Auch der direkte Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Industrie sowie der Gewerkschaften, unter anderem beim Rundgang mit Niedersachsens IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Groeger und Daniela Cavallo, VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, europäische Industriepolitik konkret und praxisnah zu gestalten. Die Transformation gelingt nur, wenn wir die Perspektiven der Beschäftigten und Unternehmen gleichermaßen berücksichtigen.
Mit Blick nach vorn gilt: Die Hannover Messe war kein Endpunkt, sondern ein Zwischenstopp. Jetzt müssen wir die Impulse aufnehmen und in konkrete politische Entscheidungen übersetzen. Europa muss seine Rolle als globaler Akteur weiter stärken, seine wirtschaftliche Basis festigen und gleichzeitig seine Werte im internationalen Handel selbstbewusst vertreten.
Wenn wir diesen Kurs halten, kann Europa nicht nur auf die Herausforderungen reagieren, sondern sie aktiv gestalten.“