EU-Mercosur: Ein Abkommen mit strategischer Bedeutung

Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen haben die EU und die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay eine Partnerschaft geschaffen, die einen gemeinsamen Markt mit rund 700 Millionen Menschen verbindet. Für mich ist dieses Abkommen weit mehr als ein klassisches Handelsabkommen. Es ist ein geopolitisches Signal für offene Märkte, verlässliche Partnerschaften und eine regelbasierte internationale Zusammenarbeit und das gerade in einer Zeit, in der Protektionismus, Handelskonflikte und geopolitische Spannungen weltweit zunehmen.

Warum das Abkommen wichtig ist

Europa braucht starke und verlässliche Partner. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verletzlich globale Lieferketten sind und wie schnell geopolitische Konflikte wirtschaftliche Auswirkungen haben können. Deshalb müssen wir unsere Handelsbeziehungen breiter aufstellen und neue Partnerschaften stärken.

Durch das Abkommen werden Einfuhrzölle auf mehr als 91 Prozent der europäischen Exportgüter abgeschafft. Europäische Unternehmen sparen dadurch jährlich rund vier Milliarden Euro an Zöllen. Davon profitieren insbesondere exportorientierte Branchen wie der Maschinenbau, die Automobilindustrie, die Chemie- und Pharmaindustrie sowie zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen.

Gerade für Deutschland und Niedersachsen eröffnet das Abkommen neue Chancen. Unsere Industrie lebt vom Export. Gleichzeitig stärkt das Abkommen den Zugang zu wichtigen Rohstoffen und hilft dabei, Lieferketten widerstandsfähiger aufzustellen.

Eine geostrategische Partnerschaft

Das Abkommen ist auch eine strategische Entscheidung. Während andere Akteure ihren Einfluss in Lateinamerika kontinuierlich ausbauen, vertieft Europa seine Zusammenarbeit mit einer Region, die viele gemeinsame Werte und Interessen mit uns teilt.

Das Mercosur-Abkommen trägt dazu bei, kritische Rohstoffe für die grüne und digitale Transformation besser verfügbar zu machen und Europa unabhängiger von einzelnen Lieferanten zu machen.

Nachhaltigkeit ist keine Nebensächlichkeit

Bereits 2020 hat das Europäische Parlament deutlich gemacht, dass das damalige Abkommen in seiner ursprünglichen Form nicht ratifiziert werden konnte. Die Sorgen über Entwaldung im Amazonasgebiet und unzureichende Klimaschutzverpflichtungen mussten ernst genommen werden. Die Nachverhandlungen haben deshalb wichtige Verbesserungen gebracht.

Das Pariser Klimaschutzabkommen ist heute als wesentlicher Bestandteil des Abkommens verankert. Sollte eine Vertragspartei ihre Verpflichtungen daraus aufgeben oder untergraben, kann das Abkommen teilweise ausgesetzt werden. Darüber hinaus verpflichten sich beide Seiten, Maßnahmen gegen Entwaldung zu ergreifen und die Waldflächen langfristig zu stabilisieren beziehungsweise auszuweiten. 

Schutzmechanismen für die Landwirtschaft

Das Abkommen öffnet den europäischen Agrarmarkt nicht unbegrenzt. Für sensible Produkte wie Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol gelten klare Zollkontingente und Schutzmechanismen. Sollte es dennoch zu erheblichen Marktstörungen kommen, kann die Europäische Union Schutzmaßnahmen ergreifen.

Gleichzeitig profitieren auch europäische Landwirte und Lebensmittelhersteller von besseren Exportmöglichkeiten. Zudem werden mehr als 350 europäische Herkunftsbezeichnungen geschützt. 

Wie geht es jetzt weiter?

Seit dem 1. Mai 2026 wird der Handelsteil des EU-Mercosur-Abkommens vorläufig angewendet. Unternehmen können damit bereits von besseren Handelsbedingungen profitieren und die ersten wirtschaftlichen Effekte werden sichtbar.

Die endgültige Entscheidung des Europäischen Parlaments steht jedoch noch aus. Eine Mehrheit des Parlaments hat das Abkommen zunächst dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt, um rechtliche Fragen klären zu lassen. Erst nach dem Urteil werden wir im Europäischen Parlament über die dauerhafte Anwendung des Abkommens entscheiden.

 

Meine Veröffentlichungen hierzu: 

26.01.16 Mercosur paper Bernd Lange for website updated

EU Mercosur Factsheet Hannover Messe