Themenschwerpunkt China
China bleibt unverzichtbarer Partner
China ist einer der wichtigsten Handelspartner der Europäischen Union und gleichzeitig einer ihrer größten wirtschaftlichen Wettbewerber. Gemeinsam stehen die EU und China für mehr als ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung und des Welthandels. Ein Abbruch dieser Beziehungen wäre weder realistisch noch im europäischen Interesse.
Für mich ist deshalb klar: Europa braucht keinen Konfrontationskurs, aber auch keine Naivität. Wir müssen den Dialog mit China fortsetzen und gleichzeitig entschlossen dort handeln, wo unsere Unternehmen benachteiligt, unsere Lieferketten unter Druck gesetzt oder internationale Regeln verletzt werden.
Europa im Zwiespalt
Globale Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen. Ob Klimawandel, Reform der Welthandelsorganisation oder internationale Stabilität, ohne China wird es keine tragfähigen Lösungen geben. Deshalb bleibt der Dialog unverzichtbar. Wer wirtschaftliche Beziehungen pflegt, schafft Verlässlichkeit und eröffnet Möglichkeiten, gemeinsame Regeln weiterzuentwickeln. Abschottung wäre weder wirtschaftlich sinnvoll noch geopolitisch klug.
Gleichzeitig dürfen wir die Realität nicht ausblenden. Staatliche Subventionen, Überkapazitäten, Exportbeschränkungen und Marktverzerrungen setzen europäische Unternehmen zunehmend unter Druck. Europa hat deswegen in den vergangenen Jahren wichtige Instrumente geschaffen, um sich gegen wirtschaftlichen Zwang und unfaire Wettbewerbsbedingungen zu wehren. Diese Instrumente müssen wir konsequent anwenden und dort weiterentwickeln, wo sie noch nicht ausreichen.
Europas eigener Weg
Für mich ist entscheidend, dass Europa seinen eigenen Kurs verfolgt. Weder sollten wir den staatlich gelenkten Wirtschaftsansatz Chinas übernehmen, noch den konfrontativen "America First"-Kurs der Vereinigten Staaten. Europäische Souveränität entsteht durch klare Regeln, die Diversifizierung von Partnerschaften und die Fähigkeit, unsere Interessen selbstbewusst zu vertreten.
Die Beziehungen zu China werden eine der entscheidenden handelspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre bleiben. Europa muss offen für Zusammenarbeit bleiben, aber entschlossen gegen unfaire Praktiken vorgehen. Unser Ziel darf weder Abhängigkeit noch Konfrontation sein.
Wer sich vertieft mit meinen Vorschlägen für die europäische China-Politik beschäftigen möchte, findet diese in meinem 10-Punkte-Papier zur europäischen Position gegenüber China.