Beim EU-Kanada-Gipfel in Montréal haben beide Seiten heute Vereinbarungen zur weiteren Vertiefung ihrer politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit getroffen. Dazu gehören der Abschluss der Verhandlungen über ein umfassendes Digitalhandelsabkommen, neue Initiativen zur Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen, Hochtechnologie und Energie sowie der Ausbau der Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft. Zudem wurde vereinbart, bis zum nächsten Gipfel 2027 ein Konzept für eine engere Anbindung Kanadas an die EU zu entwickeln.

Dazu der niedersächsische SPD-Europaabgeordnete und Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange:

„Die Erwartungen an diesen Gipfel waren nach der wochenlangen Debatte über den Namen und die institutionelle Ausgestaltung der Partnerschaft durchaus gedämpft. Umso mehr kann sich das Ergebnis sehen lassen. Es ist gelungen, eine ganze Reihe konkreter Vorhaben auf den Weg zu bringen. Das ist mehr, als angesichts der schwierigen Vorzeichen zunächst zu erwarten war.

Besonders wichtig ist der Abschluss der Verhandlungen über ein umfassendes Digitalhandelsabkommen. Es ergänzt CETA um einen zukunftsweisenden Rahmen für den digitalen Handel, verbessert die Rechtssicherheit, erleichtert grenzüberschreitende Datenflüsse und schafft neue Möglichkeiten für Unternehmen und Verbraucher. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das eine wichtige Perspektive.

Auch bei kritischen Rohstoffen und strategischen Technologien kommen wir voran. Der Abschluss der Verhandlungen zwischen Kanada und der Europäischen Investitionsbank über ein Abkommen soll europäische Investitionen in kanadische Rohstoffprojekte erleichtern. Hinzu kommen die Beteiligung Kanadas am europäischen Hochleistungsrechnen, neue Perspektiven für die Zusammenarbeit bei künstlicher Intelligenz und Halbleitern sowie eine engere Kooperation bei Energie und Lieferketten. Das sind konkrete Schritte, um unsere wirtschaftliche Sicherheit zu stärken und Abhängigkeiten zu verringern.

Auch die Zusammenarbeit bei Sicherheit und Verteidigung wird ausgebaut. Das reicht von der Rüstungsindustrie über Cyberabwehr und maritime Sicherheit bis hin zum Schutz demokratischer Institutionen. Die Absicht Kanadas, sich am Ukraine-Unterstützungskredit zu beteiligen, ist ebenfalls ein wichtiges Signal. Mit den geplanten Verhandlungen über eine stärkere Beteiligung an Erasmus+ und einer neuen Jugendmobilitätspartnerschaft bekommt die Partnerschaft zudem eine wichtige gesellschaftliche Dimension.

Bei aller positiven Bilanz wäre allerdings noch mehr drin gewesen. Die ursprünglich weitergehenden Ambitionen einer institutionellen und wirtschaftlichen Integration wurden bereits im Vorfeld des Gipfels deutlich abgeschwächt. Auch bei der Integration der Finanzmärkte und der gegenseitigen Berücksichtigung wirtschaftlicher Sicherheitsmaßnahmen bleiben die Vereinbarungen hinter den ursprünglich diskutierten Möglichkeiten zurück. Das zeigt, dass die Vorstellungen über die künftige Reichweite der Partnerschaft innerhalb der EU noch auseinandergehen. Da sollte man aber zügig auf einen gemeinsamen Nenner kommen, wenn man wirklich ein Signal an weitere potentielle Partner senden will. Da braucht es Klarheit sonst wird sowas schnell zum Eigentor, weil man erst Erwartungen weckt , die man dann später gar nicht erfüllen kann. 

Welchen Namen diese besondere Partnerschaft am Ende trägt, ist zweitrangig. Wichtig ist, was dahintersteht. Und hier macht die Abschlusserklärung eine klare Ansage, denn die EU und Kanada wollen ihre Beziehungen deutlich enger gestalten und bis 2027 ein Konzept für eine besondere Anbindung Kanadas an die EU entwickeln. Damit wird der besonderen politischen, wirtschaftlichen und strategischen Nähe beider Partner Rechnung getragen. Jetzt müssen wir diesen Anspruch weiter mit Leben füllen. Entscheidend sind nicht die Etiketten, sondern die konkreten Fortschritte.

Aus einer erfolgreichen Handelsbeziehung kann eine umfassende strategische Partnerschaft werden, die wirtschaftliche Stärke, technologische Zusammenarbeit und gemeinsame Sicherheitsinteressen verbindet. In einer Welt, in der wirtschaftliche Abhängigkeiten zunehmend politisch instrumentalisiert werden, müssen Europa und Kanada ihre gemeinsamen Interessen stärker vertreten. Eine solche Allianz für Demokratie und wirtschaftliche Sicherheit könnte zugleich ein Modell für die Zusammenarbeit mit weiteren gleichgesinnten Partnern sein. Auch Japan, Südkorea, Indonesien und Brasilien wollen ihre Partnerschaften über klassische Handelsabkommen hinaus vertiefen. Die Zusammenarbeit zwischen der EU und Kanada kann damit zum Ausgangspunkt eines neuen globalen Partnerschaftsmodells werden.

Bei aller neuen Zusammenarbeit dürfen wir CETA nicht vergessen. Es ist nicht hinnehmbar, dass noch immer neun Mitgliedstaaten das Abkommen nicht ratifiziert haben. Wer eine vertiefte Partnerschaft mit Kanada will, muss auch die bestehenden Verpflichtungen erfüllen. Bis zum zehnten Jahrestag der vorläufigen Anwendung von CETA am 21. September 2027 sollte die Ratifikation abgeschlossen sein.“


EU-Canada Summit: More Achieved Than Expected – A Starting Point for a Closer Partnership

At the EU-Canada Summit in Montréal today, both sides reached agreements to further deepen their political and economic cooperation. These include the conclusion of negotiations on a comprehensive digital trade agreement, new initiatives for cooperation on critical raw materials, high technology, and energy, as well as the expansion of the security and defense partnership. In addition, it was agreed to develop a concept for closer ties between Canada and the EU by the next summit in 2027.

Bernd Lange, SPD Member of the European Parliament from Lower Saxony and Chair of the European Parliament’s Committee on International Trade, commented:

“Expectations for this summit were certainly subdued following weeks of debate over the name and institutional structure of the partnership. This makes the outcome all the more impressive. We succeeded in launching a whole series of concrete projects. That is more than could initially have been expected given the difficult circumstances.

The conclusion of negotiations on a comprehensive digital trade agreement is particularly important. It complements CETA with a forward-looking framework for digital trade, improves legal certainty, facilitates cross-border data flows, and creates new opportunities for businesses and consumers. This is an important prospect, especially for small and medium-sized enterprises.

We are also making progress on critical raw materials and strategic technologies. The conclusion of negotiations between Canada and the European Investment Bank on an agreement is intended to facilitate European investment in Canadian raw materials projects. Added to this are Canada’s participation in European high-performance computing, new prospects for cooperation on artificial intelligence and semiconductors, and closer cooperation on energy and supply chains. These are concrete steps to strengthen our economic security and reduce dependencies.

Cooperation on security and defense is also being expanded. This ranges from the defense industry to cyber defense and maritime security, all the way to the protection of democratic institutions. Canada’s intention to participate in the Ukraine support loan is also an important signal. With the planned negotiations on greater participation in Erasmus+ and a new youth mobility partnership, the partnership is also taking on an important social dimension.

Despite this positive outcome, however, more could have been achieved. The originally more far-reaching ambitions for institutional and economic integration had already been significantly scaled back in the run-up to the summit. Even regarding the integration of financial markets and mutual consideration of economic security measures, the agreements fall short of the possibilities originally discussed. This shows that views within the EU on the future scope of the partnership still diverge. However, a common ground should be reached quickly if the goal is truly to send a signal to other potential partners. Clarity is needed here; otherwise, this could quickly backfire, because it raises expectations that cannot be met later on.

What this special partnership is ultimately called is of secondary importance. What matters is what lies behind it. And here, the final declaration sends a clear message: the EU and Canada intend to forge significantly closer ties and develop a framework by 2027 for a special relationship between Canada and the EU. This takes into account the special political, economic, and strategic proximity of both partners. Now we must continue to bring this vision to life. What matters is not the labels, but concrete progress.

A successful trade relationship can evolve into a comprehensive strategic partnership that combines economic strength, technological cooperation, and shared security interests. In a world where economic interdependencies are increasingly being exploited for political ends, Europe and Canada must more strongly advocate for their shared interests. Such an alliance for democracy and economic security could also serve as a model for cooperation with other like-minded partners. Japan, South Korea, Indonesia, and Brazil also want to deepen their partnerships beyond traditional trade agreements. Cooperation between the EU and Canada can thus become the starting point for a new global partnership model.

Amid all this new cooperation, we must not forget CETA. It is unacceptable that nine member states have still not ratified the agreement. Anyone who wants a deeper partnership with Canada must also fulfill existing obligations. Ratification should be completed by the tenth anniversary of CETA’s provisional application on September 21, 2027.”