Themenschwerpunkt Industrie
Europas Industrie stärken – Wertschöpfung und Arbeitsplätze sichern
Die europäische Industrie steht unter enormem Druck. Hohe Energie- und Investitionskosten, der technologische Wandel, Überkapazitäten auf den Weltmärkten und zunehmend aggressive Handelspraktiken unserer Wettbewerber treffen gerade traditionelle Industriestandorte.
Als Vorsitzender des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments beschäftige ich mich insbesondere mit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie. Europäische Unternehmen müssen sich dem globalen Wettbewerb stellen können, aber zu fairen Bedingungen.
Stahl: Neuer Schutzschild seit 1. Juli 2026
Seit dem 1. Juli 2026 gilt ein neues europäisches Handelsschutzinstrument für Stahl. Es ersetzt die bisherigen Schutzmaßnahmen und begrenzt zollfreie Importe deutlich stärker. Für Mengen oberhalb der festgelegten Kontingente gilt ein Zusatzzoll von 50 Prozent. Schärfere Ursprungsregeln sollen zudem verhindern, dass Einfuhren über Drittstaaten umgeleitet werden.
Das ist ein wichtiger Schritt gegen unfaire Überkapazitäten und Billigimporte. Handelsschutz allein reicht aber nicht. Wir brauchen zugleich wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Investitionsbedingungen und starke Leitmärkte für klimafreundlich produzierten europäischen Stahl.
Automobilindustrie: Transformation statt Rückzug
Ähnliches gilt für die Automobilindustrie. Gerade Volkswagen zeigt, wie unmittelbar europäische Industriepolitik, internationale Wettbewerbsbedingungen und die Zukunft ganzer Regionen miteinander verbunden sind. Wer auf Werksschließungen, Investitionskürzungen und Produktionsverlagerungen setzt, schafft noch kein tragfähiges Zukunftskonzept.
Die Antwort auf den internationalen Wettbewerb muss sein, unsere technologische Stärke auszubauen, die Nachfrage nach europäischen Produkten zu stärken und Zukunftsinvestitionen hier in Europa zu ermöglichen. Dazu gehören Elektromobilität und Batterietechnologie ebenso wie verlässliche Rahmenbedingungen für die gesamte industrielle Wertschöpfungskette. Ziel muss sein, dass auch die Technologien der Zukunft in Europa entwickelt und produziert werden.
Der nächste Schritt: Der Industrial Accelerator Act
Mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) zeichnet sich ein Kurswechsel in der europäischen Industriepolitik ab. Die Frage, wo produziert wird und wie europäische Wertschöpfung gestärkt werden kann, rückt wieder stärker in den Mittelpunkt. Vorgesehen sind unter anderem europäische Kriterien bei öffentlicher Beschaffung und Förderung. Entscheidend wird sein, daraus eine wirksame Industriepolitik zu machen, ohne neue Abschottung zu schaffen oder die Ursachen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit aus dem Blick zu verlieren.