"Unsere europäische Handelspolitik entwickelt Sogwirkung"
EU und Philippinen verkünden prinzipielle Einigung über Handelsabkommen
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und die philippinische Handelsministerin Maria Cristina Aldeguer-Roque haben heute die prinzipielle Einigung über ein Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Philippinen verkündet.
Auf dieser Grundlage werden in den nächsten Wochen die letzten technischen Details verhandelt. Nach dem offiziellen Abschluss wird das Abkommen rechtlich geprüft und in alle EU-Amtssprachen übersetzt. Anschließend stimmen die Mitgliedstaaten im Rat und das Europäische Parlament darüber ab, bevor es in Kraft treten kann.
Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament:
„Die nächste Einigung ist da: Nach Indonesien, Indien und Australien sind die Philippinen bereits das vierte Land, mit dem die EU innerhalb eines Jahres die Verhandlungen über ein Handelsabkommen erfolgreich beendet. Die EU-Kommission hat deutlich Tempo gemacht – und das ist richtig so. In einer Welt, in der Zölle, wirtschaftlicher Druck und das Recht des Stärkeren wieder an Bedeutung gewinnen, müssen wir das Netz verlässlicher, regelbasierter Handelspartnerschaften weiter ausbauen.
Die Philippinen sind eine dynamisch wachsende Volkswirtschaft und ein hochinteressanter Partner für Europa. Philippinische Produkte wie Elektronik und Maschinen, Kokosöl sowie verarbeitete Fisch- und Lebensmittel sollen besseren Zugang zum europäischen Markt erhalten. Für europäische Unternehmen eröffnen sich insbesondere bei Maschinen und Anlagen, Fahrzeugen, chemischen und pharmazeutischen Produkten sowie Lebensmitteln neue Exportchancen. Ziel des Abkommens ist es, Zölle auf einen großen Teil des Warenhandels abzubauen und weitere Handelshemmnisse zu beseitigen.
Gleichzeitig geht es um weit mehr als Zölle. Das Abkommen enthält moderne Regeln für den digitalen Handel und den Schutz geistigen Eigentums. Besonders wichtig ist mir als Sozialdemokrat das starke Nachhaltigkeitskapitel: Arbeitnehmerrechte, Umweltstandards und Klimaschutz sind nicht bloß schmückendes Beiwerk, sondern mit robusten und durchsetzbaren Verpflichtungen im Abkommen verankert.
Auch für Niedersachsen eröffnet das Abkommen konkrete Chancen. Ein eigener Anhang für Kraftfahrzeuge erleichtert den Marktzugang, indem international anerkannte Standards zugrunde gelegt werden und Fahrzeuge nicht zusätzlich an abweichende nationale technische Anforderungen angepasst werden müssen. Das baut unnötige Handelshemmnisse ab und ist eine gute Nachricht für einen Wirtschaftsstandort, der so eng mit der Automobilindustrie verbunden ist.
Der Abschluss mit den Philippinen fügt sich zugleich in ein größeres Bild. Unsere bilateralen Handelsabkommen in Südostasien sind keine Einzelstücke, sondern Bausteine auf dem Weg zu engeren Handelsbeziehungen mit der gesamten ASEAN-Region. Das Abkommen mit Vietnam zeigt bereits, welches Potenzial eine engere wirtschaftliche Verflechtung mit der EU bietet. Mit Indonesien sind die Verhandlungen ebenfalls abgeschlossen, mit Thailand und Malaysia laufen sie. Damit entsteht eine Dynamik in Südostasien. Die EU zeigt, dass sie attraktive Angebote machen und langfristige, verlässliche Partnerschaften aufbauen kann. Unsere europäische Handelspolitik entwickelt eine Sogwirkung.“
Die Verhandlungen waren bereits 2015 aufgenommen worden, lagen nach der zweiten Verhandlungsrunde 2017 jedoch mehrere Jahre auf Eis. Im März 2024 verständigten sich beide Seiten auf die Wiederaufnahme der Gespräche über ein ambitioniertes und modernes Handelsabkommen mit Nachhaltigkeit im Zentrum. Der Handelsausschuss des Europäischen Parlaments reiste im Februar 2026 auf die Philippinen, um die Verhandlungen mit politischen Gesprächen zu unterstützen.