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von Hartmut Meine

Elektromobilität ist vor dem Hintergrund der klimatischen Herausforderungen und dem überschrittenen ‚Oil-Peak’ in aller Munde. Die großen Automobilhersteller arbeiten mit Hochdruck an der Serienreife von sogenannten ‚Stromern’. Nüchtern ist aber festzustellen, dass die Experten davon ausgehen, dass eine mögliche Marktdurchdringung noch Jahrzehnte benötigt. Viel zu groß sind die zu lösenden technischen Herausforderungen, wie beispielsweise die Energiespeicherung via Batterietechnologie. Eine Umstellung auf alternative Antriebe ist zudem nur sinnvoll, wenn dies auf Basis der erneuerbaren Energien erfolgt.

Die IG Metall stellt sich frühzeitig auf den zu erwartenden Produktionswandel ein. Denn für die Belegschaften in den Werken der Auto- und Zulieferindustrie bedeutet die Produktion von ‚Stromern’ enorme Veränderungen. Die Gestaltung der zukünftigen Mobilität und der Arbeitsplätze ist eine vorrangige Aufgabe für die IG Metall und deren Betriebsräte in der Branche. Deshalb ist die IG Metall an der ‚Nationalen Plattform Elektromobilität’ prominent beteiligt. Elektromobilität wird die Ablauforganisation in den Werken verändern. Alternative Antriebe und neue Werkstoffe werden neue Kompetenzen erfordern und Qualifikationsanforderungen bei den Herstellern, Zulieferern und in den Werkstätten dramatisch verändern. Hinzu kommt, dass die Umstellung auf alternative Antriebe im Kontext der Standortkonkurrenz zwischen West- und Osteuropa und vor allem Asien stattfinden wird. Betriebsräte werden somit weiterhin mit Outsourcing-Entscheidungen konfrontiert sein. Zugleich muss auf Unternehmensebene auf Investitionsentscheidungen Einfluss genommen werden, um Beschäftigung in Deutschland für die Zukunft zu sichern. Bei Volkswagen ist dies im Rahmen von Standortsymposien und vor allem mit dem tariflich abgesicherten und mitbestimmten Innovationsfonds teilweise gelungen. Mit jährlich 2 mal 20 Mio. Euro werden Innovationen gefördert. Einer der beiden Fonds fördert Innovationen nahe der automobilen Wertschöpfungskette und ein weiterer Innovationen im Rahmen neuer Geschäftsfelder. Der Betriebsrat entscheidet über die Verteilung beider Fondsmittel mit. Auch in manchen Zulieferbetrieben ist es gelungen, Investitionen in zukunftsträchtige Fertigungen zu vereinbaren. Dennoch reicht dies nicht aus. Die IG Metall wird darauf hinwirken, dass die zu erwartenden Umbrüche auf der Grundlage einer erweiterten Mitbestimmung organisiert und gestaltet werden können. Dabei kommt einem Vetorecht bei Standortverlagerungen und -schließungen, wie bei Volkswagen bereits seit Jahren implementiert, entscheidende Bedeutung zu.

Hartmut Meine ist Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt