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Bernd Lange und Dr. Dörte Liebetruth
Bernd Lange, Mitglied des Europäischen Parlaments, und Landtagskandidatin Dr. Dörte Liebetruth bei der Besichtigung von Landwirtschaftsbetrieben in Holtum (Geest) im Kreis Verden

29. Juni 2012: Von Biogas bis Bioland

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Zusammen mit dem SPD-Europaabgeordneten Bernd Lange aus Hannover besuchte die Kreisverdener SPD-Landtagskandidatin Dr. Dörte Liebetruth unter dem Motto "Von Biogas bis Bioland" mehrere Höfe in Holtum (Geest). Auf Einladung des Holtumer Landwirts Jörn Ehlers, der seit März Vorsitzender des Kreisverbandes Rotenburg-Verden im Niedersächsischen Landvolk ist, wurden ganz unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebe seiner Berufskollegen besichtigt.

Mit dabei waren Carsten Hipp (Geschäftsführer des Landvolkverbandes), Gerd Eimer (Vorsitzender des Verbands) sowie Fraktions- und Vorstandsmitglieder der Kirchlintler SPD.

In seiner Begrüßung hob Ehlers hervor, dass es in Holtum (Geest) noch sieben Vollerwerbs-, zwei Nebenerwerbshöfe sowie ein Biogärtner gebe. Zusammen beschäftigen diese fünf feste Mitarbeiter und sechs Auszubildende. Pro Jahr werden rund 25.000 Mastschweine groß gezogen, 4,5 Millionen Liter Milch, 150.000 Liter Rapsöl und rund 50.000 Kilogramm Zucker vermarktet. Auf dem Hof von Wilfrid Willenbrock werden 270 Sauen gehalten. Die rund 6000 Ferkel werden ein halbes Jahr gemästet und dann verkauft. Willenbrock sagte, dass der Bestand von Sauenhalterbetrieben in den vergangenen 20 Jahren um rund 50 Prozent abgenommen habe. Und zukünftig werden wohl noch ein Drittel aller Sauenhalter aufgeben. "Die Verbraucher machen die Preise kaputt", sagt er, "denn nur rund 20 Prozent sind bereit, mehr fürs Fleisch zu zahlen." Carsten Hipp: "Die Politik hindert die Betriebe, die man haben will, also kleine und mittelständische. Die kleinen hören auf, weil es sich nur noch für die großen Betriebe rechnet, die investieren können."

Die Vorgaben des "Tierschutzplans" der niedersächsischen Landesregierung werden von vielen Landwirten mitgetragen. Der Kreislandwirt Jörn Ehlers erläutert, dass dem Futter schon seit langem keine Antibiotika als Leistungsförderer zugegeben werden; stattdessen impfe man Ferkel vorsorglich. "Im Schlachthof werden Proben gezogen, und bei Problemen wird das Veterinäramt informiert, das den Mastbetrieb anschließend überprüft", sagt Jörn Ehlers. Lieferscheine für Futtermittel müssen jahrelang aufbewahrt werden. "Antibiotikum wird sehr gewissenhaft eingesetzt, nach Rücksprache mit dem Tierarzt", so der Kreislandwirt. Forderungen im Tierschutzplan, wie zum Beispiel der Verzicht auf betäubungslose Kastration bei Ferkeln und der Verzicht auf das Kupieren der Schwänze, seien in der Umsetzungsphase. Das Abkneifen der Zähne werde schon seit langem durch ein Abschleifen ersetzt, so Wilfried Willenbrock.

Als vielseitig und innovativ stellte Harm Kruse seinen Hof den Gästen vor. Für ihn ist dies ein typischer Familienbetrieb, "weil der Chef mit Herz und Seele mitarbeitet". Neben der Haltung von Kühen und Schweinen wird auf dem Hof Ackerbau und eine 360-kW-Biogasanlage betrieben. Kruse bemängelte das immer schwieriger werdende Baurecht: "Immissionsgutachten sind für die Betriebe sehr teuer." Die Biogasanlage versorgt sieben Familien mit Wärme, zum halben Erdölpreis und für zehn Jahre festgeschrieben. "Bei neuen Häusern könnten wir rund 30 Familien versorgen", so Kruse. Dass Kruses Hof so vielseitig ist, sieht Dörte Liebetruth als zukunftsweisend an, weil es den Betrieb krisensicherer mache. Auch Harm Kruses Kälber werden vom Tierschutzplan profitieren. Danach wird es in Kürze nicht mehr das betäubungslose Enthornen der Jungtiere geben. „Enthornen ist unbedingt nötig, um Mensch und Tier vor Verletzungen zu schützen“, betont Ehlers.

Mit der Kutsche ging es zur Biogärtnerei von Frank Berndt und Christiane Otto. Seit 20 Jahren erntet die Familie nach strengen Richtlinien des ökologischen Landbaus Obst und Gemüse und verkauft dieses auf den Bremer Märkten in Findorff und in der Vahr. Hervorgehoben wurde von beiden die Jungpflanzenanzucht für Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Porree, Tomaten und Auberginen. SPD-Landtagskandidatin Dörte Liebetruth zeigte sich beeindruckt davon, wie die beiden Biogärtner jahrhundertealtes Wissen zum Beispiel zu geeigneten Fruchtfolgen nutzen, um Lebensmittel zu produzieren und die Umwelt zu schonen.

In dem Abschlussgespräch dieser von Jörn Ehlers geplanten und sehr informativen Rundreise wurden landwirtschaftspolitische Weichenstellungen der EU diskutiert. Dabei kritisierten die Landvolkvertreter Unklarheiten beim Vorschlag der EU-Kommission zur „Ökologisierung“ der künftigen europäischen Landwirtschaftspolitik. Eine pauschale 7-prozentige Flächenstilllegung für das Ziel von mehr Artenvielfalt wurde von den Landvolkvertretern eindeutig abgelehnt. Vor dem Hintergrund, dass es 2050 über neun Milliarden Menschen auf der Welt geben wird, sagt Gerd Eimer: "Wir können es uns nicht mehr leisten, Flächen aus der Produktion zu nehmen." Bernd Lange bedankte sich für die kritischen Hinweise der Landwirte. Der SPD-Europaabgeordnete machte klar, dass er bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik mehr Flexibilität gerade auch im Bereich der Umweltbelange einfordert. Die Hinweise aus Holtum nimmt Bernd Lange mit nach Brüssel und Straßburg für kommende Beratungen des Europäischen Parlaments.

Bericht: Hermann Meyer, SPD-Ortsverein Kirchlinteln

Hof mit Harley...
Am Ende der Besichtigungstour mit Kreislandwirt Jörn Ehlers und SPD-Landtagskandidatin Dr. Dörte Liebetruth freute sich der Motorradliebhaber Bernd Lange, als er auf dem Ehlers-Hof die Harley von Jörn Ehlers entdeckte...

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