Zum Inhalt springen

2. Juli 2013: Prism erschüttert Vertrauen in transatlantische Beziehungen

Abhöraffäre muss in Handelsverhandlungen auf den Tisch

Die beginnenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA über eine transatlantische Freihandelszone drohen von der US-Abhöraffäre überschattet zu werden.

"Sollten tatsächlich EU-Mitgliedstaaten und EU-Institutionen in dem behaupteten Ausmaß von den USA ausspioniert worden sein, bedeutet dies einen immensen Vertrauensverlust - auch für die beginnenden Handelsverhandlungen", stellt Bernd Lange klar, handelspolitischer Sprecher der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament. Bereits Anfang Juni berichtete die internationale Presse über den Zugriff des US-Spähprogramms "Prism" auf den Datenverkehr europäischer Bürger. Zuletzt wurde bekannt, dass die US-amerikanische National Security Agency (NSA) darüber hinaus Institutionen der EU und der EU-Mitgliedstaaten in großem Umfang abgehört haben soll.

"Wir fordern lückenlose Aufklärung, dazu gehören auch Informationen über die Datenverwendung und deren Speicherdauer. Das Abhören von EU-Einrichtungen im In- und Ausland ist absolut inakzeptabel: EU-Diplomaten sind keine Terroristen!", so der niedersächsische SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange. Die US-Behörden stünden in der Pflicht darzulegen, inwieweit "Prism" den rechtsstaatlichen Prinzipien der Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit entspricht. Das EU-Parlament muss die scheinbar uferlose Beschneidung der Grundrechte von EU-Bürgern untersuchen. Europäische Grundrechte dürfen nicht auf dem Altar von Handelsinteressen geopfert werden. Es muss klar dargelegt werden, welchen Rechtsschutz EU-Bürger haben und ob sich dieser vom Rechtsschutz für US-Bürger unterscheidet. Außerdem muss es eine effektive Einbeziehung des Europäischen Parlaments in die hochrangige EU-US Expertengruppe für Sicherheit und Datenschutz geben, welche bald zur Aufarbeitung der Anschuldigungen ihre Arbeit aufnehmen soll: "Ein solch hohes Gremium wäre durch die Beteiligung von Europaparlamentariern überhaupt erst demokratisch legitimiert! Da ist die von einigen Mitgliedstaaten an den Tag gelegte Verzögerungstaktik schlichtweg nicht akzeptabel", so Lange.

"Derartige Abhörmethoden gehören in die Zeit des Kalten Krieges und nicht zum Verhalten von transatlantischen Partnern", macht Bernd Lange deutlich und fordert: "Der Vorwurf eines systematischen Ausspähens europäischer Kommunikationskanäle durch US-Behörden muss in den anstehenden Verhandlungen als allererstes auf den Tisch und restlos aufgeklärt werden, bevor wir anfangen können, über inhaltliche Fragen zu diskutieren."

Vorherige Meldung: Zukunft der EU-Energiepolitik

Nächste Meldung: Überwachungswahn und Datensammelwut stoppen!

Alle Meldungen