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4. Oktober 2012: Runter vom Netz!

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EU-Stresstests legen Sicherheitslücken bei Atomkraftwerken offen

Nun ist es offiziell: Nahezu alle untersuchten Atomkraftwerke in der EU weisen schwere Sicherheitsmängel auf. Das geht aus der heutigen Mitteilung der EU-Kommission zu den Stresstests europäischer Atomkraftwerke hervor. Bereits zu Beginn der Woche hatten Medien aus einem Vorabentwurf dazu berichtet.

"Die Ergebnisse der Stresstests sind alarmierend. Dabei wurden noch nicht einmal alle Kraftwerkstandorte in Europa unter die Lupe genommen. Nun sind schnelle und verbindliche Konsequenzen gefragt:

Bei den Stresstests durchgefallene Atomkraftwerke müssen sofort und endgültig vom Netz genommen werden", fordert der niedersächsische SPD- Europaabgeordnete Bernd Lange.

Bis zu 25 Milliarden Euro in den kommenden Jahren würde es laut EU-Kommission kosten, um alle Reaktoren in der EU nachzurüsten. "Gerade in Deutschland, dem Land der Energiewende, stünden solche Ausgaben in keinem Verhältnis. Anstatt riesige Summen in die Nachbesserung von Atomkraftwerken zu stecken, sollte verstärkt in die Förderung erneuerbarer Energien investiert werden. Das wäre nicht nur im Hinblick auf die Klima- und Energieziele der EU sondern vor allem in Anbetracht der Sicherheit aller EU-Bürger die klügere Investition", erklärt der SPD-Energieexperte Lange.

Aus der Mitteilung der EU-Kommission geht hervor, dass die zwölf überprüften deutschen Anlagen – darunter auch die beiden aktiven niedersächsischen Standorte (Emsland/Lingen und Grohnde) - ernstzunehmende Sicherheitslücken aufweisen: Die Erdbeben-Warnsysteme seien unzureichend und die internationalen Leitlinien für schwere Unfälle nicht oder nicht vollständig umgesetzt. Aber auch Deutschlands direkten Nachbarstaaten wird kein gutes Zeugnis ausgestellt. Bei der Überprüfung schneiden insbesondere die französischen AKW schlecht ab.

"Genauso wie ein AKW-Unfall nicht vor den Grenzen anderer Länder haltmacht, dürfen Fragen im Bereich der Atomsicherheit nicht weiter Sache der Nationalstaaten sein. Die Ergebnisse der Stresstests drängen nicht nur auf eine zügige Verschärfung der EU- Gesetzgebung für Nuklearsicherheit, sondern ebenfalls auf die Entwicklung eines schnellen Ausstiegszenarios", so Lange weiter.

Hintergrund:
Zurzeit betreiben 14 EU-Mitgliedstaaten Atomkraftwerke. Nach dem Reaktorunfall von Fukushima im März 2011 mussten sich die europäischen Kernkraftwerke einer Prüfung unterziehen. Die Stresstests sollten die Sicherheitsmargen der Kernkraftwerke neu bewerten, um eine vergleichbare Katastrophe innerhalb der Europäischen Union auszuschließen.

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